Welche Regel gab es bei der Vergabe der Decknamen?

Bei der Namensvergabe für die U-Verlagerungen folgte man relativ einfachen Regeln, diese wollen wir hier näher erläutern:

Zunächst (zu Beginn 1944) unterschied man zwischen drei verschiedenen U-Verlagerungstypen (A- B- und S-Vorhaben). Die Anlagen wurden je nach Bauart und Verwendungszweck in eine dieser Kategorien eingeordnet.

A-Vorhaben:

In der ersten Welle der systematischen Untertage-Verlegung der Rüstungsbetriebe wurden diese zunächst mit A1, A2, A3, A4... durchnummeriert. Dabei wurden vorhandene Hohlräume wie Tunnel, Höhlen und Stollen genutzt. In den A-Projekten waren Maßnahmen für die Rüstugsendfertigung und die Reparatur vorgesehen. Die A-Vorhaben hatten zusätzlich noch einen speziellen Decknamen, je nach Art der U-Verlagerung. Beispiele hierfür sind die beiden Reichsbahntunnel “Rebhuhn” (A1) im Teutoburger Wald und “Kiebitz” (A9) im Elsaß.

B-Vorhaben:

Bei den B-Vorhaben handelte es sich um neu zu erstellende Stollen und Anlagen im Zuge der zweiten Welle. Die B-Maßnahmen waren für die Zulieferindustrie und Vorproduktionsstätten angedacht. Auch diese U-Anlagen hatten eigene Decknamen wie “Malachit” (B2) oder “Kuckuck I” (B11).

S-Vorhaben:

Das “S” steht für Sonderbauten und Sondermaßnahmen. Diese waren nicht immer Untertage. Es konnten die verschiedensten Bauwerke, wie U-Boot-Bunker, Führerbunker, Tanklager, Kommandozentralen oder auch diverse Hoch- und Tiefbunker aus dem zivilen Luftschutz sein. Hier vergab man nur vereinzelt noch zusätzlich einen Decknamen. Das bekannteste S-Vorhaben war die geheime U-Verlagerung “S3” im Jonastal im Thüringer Wald.

 

Nun kommen wir zu den Grundsätzen der Vergabe der jeweiligen Decknamen zu den verschiedenen U-Verlagerungen. Die Anlagen wurden weiter in verschiedene Gruppen unterteilt:

Gruppe I: Bergbau
- Schachtanlagen und Tiefstollen: Tiernamen
- Stollenanlagen: Fischnamen

Gruppe II: Tunnel: Vogelnamen

Gruppe III: Festungswerke: Namen aus der Flora

Gruppe IV: Natürliche Höhlen: Münznamen

Gruppe V: Neubauten
- Neubauten von Stollenanlagen: Decknamen aus der Gesteinskunde.
- Neubauten von Bunkern: Männliche Vornamen

Vorhandene Bunker hatten meist weibliche Vornamen.

Die Untertageanlagen aus den Bereichen Benzin, Öl- und Chemieverarbeitung und -herstellung hatten nochmals eigene Decknamen und Projektnamen, die nicht immer in das oben genannte Schema passten. So nahm zum Beispiel die U-Verlagerung “Eisenkies” (Stollenneubau) das Projekt “Schwalbe I” (Hydrier-Dehydrieranlage) auf. Fälschlicherweise wird hier häufig von der U-Verlagerung “Schwalbe I” gesprochen.
In der Chemie- und Ölindustrie gab es weiterhin die Projekte Ofen, Rost, Wüste und Molch, die keinem Bezeichnungsschema folgten und lediglich durchnummeriert wurden.

Doch auch hier gilt zu beachten: Keine Maßnahme ohne Ausnahme!
Decknamen wurden teilweise doppelt vergeben, oder ein und dieselbe U-Verlagerung hatte verschiedene Decknamen. Ein Beispiel hierfür ist die U-Verlagerung Storch, die in sechs aufeinander folgenden Reichsbahntunneln untergebracht war: Die ersten drei Tunnel hatten den Decknamen Storch, der nächste hieß Stieglitz, der danach bekam erst gar keinen Decknamen und der letzte hatte den Decknamen Dachs III....!?

Auch bei den U-Bootbunkern an den europäischen Küsten folgte man nicht der Vergabe von Decknamen nach dem oben genannten Schema. Die Namen und Standorte der U-Bootbunker findet man auf der Atlantikwallseite von 7Grad.org.

 

Decknamen?
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